Wahlprüfstein 10: Leitlinienentwicklung und Hebammenforschung

Bislang existieren für die Geburtshilfe in Deutschland nur von Ärztinnen und Ärzten auf ausgesprochen niedrigem Evidenzniveau entwickelte Leitlinien sowie ein interdisziplinär erarbeiteter Standard auf hohem Evidenzniveau. Leitlinien und Standard beziehen sich fast ausschließlich auf den in der Regel ärztlich geleiteten klinischen Bereich. Der unter zahlreicher Beteiligung von Hebammen entwickelte Expertinnenstandard bezieht sich auf die Förderung der physiologischen Geburt (und damit Senkung der Interventionsraten wie beispielsweise den Kaiserschnitten), die Leitlinien befassen sich mit dem Management regelwidriger, pathologischer oder rein ärztlicher bzw. klinischer Problemstellungen.
Wir empfehlen Finanzierung von Leitlinien- und Standardentwicklungen im Gesundheitswesen, interdisziplinäre Entwicklung von Leitlinien auf hohem Evidenzniveau, systematische Beteiligung von Hebammenwissenschaftlerinnen an Beschlussfassungen im GBA 18, Berückksichtigung hebammenspezifischer Fragestellungen wie z.B. die Förderung von Gesundheit und Physiologie bei Leit- und Richtlinienentwicklung. Mehr Infos dazu erhalten Sie im Wahlprüfstein 10.

Das sagen die Parteien in NRW

CDU NRW, Dr. Guido Hitze: "Verschiedene Foschungsbedarfe zum Themenereich Geburtshilfe wurden identigfiziert und die Erarbeitung einer hochwertigen interdisziplinären Leitlinie zur Geburtshilfe durch den Bundesgesundheitsminister befürwortet. Vier Forschungsvorhaben zum Forschungsstand bei Kaiserschnitten werden aktuell ausgewertet. Untersuchungen für die Leitlinie zur natürlichen Geburt werden aus Mitteln des BMG finanziert und laufen noch bis Oktober 2018."

FDP Dortmund, Frieder C. Löhrer: "Wie schon unter 8 (Antwort auf Wahlprüfstein 8, Anm. d. Red.) erwähnt, sind da andere Länder viel weiter. Auch ein Blick nach Österreich ist oft hilfreich. Unsere Unterstützung."

FDP, Heinsberg, Jorge Klapproth: „Die Entwicklung von evidenzbasierten Leitlinien kann durch den Ausbau der Hebammenwissenschaften befördert werden. Wir setzen in dieser Frage darauf, dass sich Hochschulen in eigener Verantwortung mit Schwerpunkten in Lehre und Forschung profilieren können. Dazu brauchen Hochschulen wieder mehr Autonomie und mehr Gestaltungsfreiheiten zum Beispiel hinsichtlich der Personalhoheit anstelle von Vorgaben der Landesregierung. Überdies benötigen sie eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung. Hebammenwissenschaften sollen zudem verstärkt bei interdisziplinären Fragestellungen und auch bei Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses beteiligt werden.“

Die Grünen, NRW: "Wir unterstützen die Forderung des Hebammenverbandes. Wir wollen Lehre und Forschung in der Hebammenwissenschaft ausbauen. Hierzu sollten Hochschullehrer*innen qualifiziert, sowie Masterstudiengänge und Promotionsmöglichkeiten geschaffen werden. Wir treten schon lange auch für eine innovative Ausbildung der Hebammen ein. In NRW wurde deshalb z.B. ein Modellprojekt zur Erprobung von richtlinienorientierter Qualitätsentwicklung durchgeführt. An sechs Modellschulen wurde mit diesem Konzept die Ausbildung auf Basis neuer pädagogischer Erkentnisse kompetenzorientiert ausgestaltet. An der Hochschule für Gesundheit in Bochum wurde der Modell-Studienbgang Hebammenkunde in Vollzeit eingerichtet. Dieser Studiengang umfasst inklusive der Bachelorarbeit acht Semester. In ihm sind die Inhalte einer kompletten Hebammenausbildung integriert.

Die Grünen, Krefeld, Monika Brinner: „Ich möchte mich gerade in diesem Punkt für alle Ihrer Forderungen einsetzen. Es ist mir ein besonders wichtiges Anliegen Forschung und Lehre im Geburtshilfenbereich auszubauen. Dafür benötigen wir dringend Masterstudiengänge – sowie Promotionsmöglichkeiten und müssen Hochschullehrer*innen genügend qualifizieren. Für diese Anliegen werde ich im Landtag und auch in meinem Alltag einstehen.“

Die Linke NRW, Gabi Lenkenhoff: „DIE LINKE unterstützt die Entwicklung von evidenzbasierten Leitlinien. Wir sind sehr dafür, die Kompetenz der Hebammen in die Erarbeitung von Leitlinien einzubeziehen und begrüßen daher auch Ihre Mitgliedschaft in der AWMF. Wir führen gerne den Dialog mit Ihnen, wie eine weitergehende Beteiligung der Hebammen und damit eine wünschenswerte Weitung des Blickfeldes in den geltenden Leit- und Richtlinien erreicht werden kann.“