Wahlprüfstein 6: Frühe Hilfen

Im Wahlprüfstein 6 geht es um Frühe Hilfen: Die Umsetzung der Bundesinitiative Frühe Hilfen in Verantwortung des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend wird im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII geregelt und sieht den Einsatz sogenannter Familienhebammen vor. Die Definition des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen von Familienhebammenarbeit beschreibt hierbei im Kern originäre Hebammenarbeit bei einer Klientel mit durch psychosoziale Belastungen erhöhtem Bedarf. Es gibt dabei keine rechtliche Definition von „Familienhebamme“, sie wird weder im SGB V noch im SGB VIII beschrieben. Der Landesverband der Hebammen NRW empfiehlt die Feststellung von Familienhebammenarbeit als originäre Hebammenarbeit und damit Verortung im SGB V, weisungsunabhängige Tätigkeit von Hebammen im Bereich der Primär- und Sekundär-, nicht aber der Tertiärprävention in den Frühen Hilfen und Berücksichtigung von Mehraufwänden in besonders belasteten und vulnerablen Familienkonstellationen im Rahmen der Vergütung durch Krankenkassen. Unterstützen die Parteien diese Anliegen, und wenn ja, wie?


Das sagen die Parteien in NRW

CDU NRW, Guido Hitze: "Die Arbeit von Familienhebammen ist im Rahmen der Frühen Hilfen bereits seit mehreren Jahren in vielen Kommunen in Nordrhein-Westfalen etabliert. sie leisten wertvolle Unterstützung da, wo Mütter eine verstärkte Hilfestellung im alltäglichen Umgang mir ihren Kindern brauchen. Doch auch wenn die Arbeit von Famileinhebammen in vielen Fällen über die übliche gesundheitliche Vesorgung und psychosoziale Betreuung druch Hebammen hinausgeht, ist es wichtig festzuhalten, dass Familienhebammen in erster Linie hebammen sind. Es ist wichtig, ihre Rollen in den Frühen Hilfen entsprechend zu interpretieren und für eine klare Rechtsituation zu sorgen. hier besteht auf Landesebene jedoch kein Gestaltungsspielraum.

FDP, Dortmund, Friedel C. Löhrer: "Volle Unterstützung, um auch dezentrale Strukturen lebendig zu halten!"

FDP, Heinsberg, Jorge Klapproth: „Der Aufbau eines flächendeckenden Netzwerkes "Frühe Hilfen" ist Kernelement des noch von der CDU/FDP-Bundesregierung initiierten und verabschiedeten Bundeskinderschutzgesetzes. In diesem Netzwerk sind Familienhebammen als staatlich examinierte Hebammen mit einer speziellen sozialpädagogischen Zusatzqualifikation wichtiger und unerlässlicher Teil des präventiven Kinderschutzes. Gerade in hoch belasteten Familien, Familien mit sozialen Problemen sowie Familien mit gesundheitlichen Schwierigkeiten brauchen Kinder und Eltern häufig Unterstützung, um die ersten Monate und den Umgang mit der neuen Situation zu meistern. Diese Unterstützung geht über eine gesundheitliche Versorgung und die originäre Arbeit von Hebammen hinaus. Frühe Hilfen und verlässliche Netzwerke ermöglichen für diese Familien aktiven und leicht zugänglichen Kinderschutz. Die FDP unterstützt diese Formen der niedrigschwelligen und präventiven Begleitung von jungen Familien in Verantwortung der Kommunen, wie etwa Besuche einer Familienhebamme nach der Geburt und Informationen über Familien unterstützende Leistungen. Wir sehen die Verantwortung für speziell geschulte Familienhebammen, die nach der Geburt Familien mit erhöhtem Hilfebedarf über den in der klassischen Nachbetreuung vorgesehenen Zeitraum betreuen und die Eltern in Erziehungsfragen beraten, vorrangig im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Hingegen wäre bei einer Verlagerung der Aufgaben von Familienhebammen in den Bereich des SGB V zu befürchten, dass eine erweiterte Unterstützung im Sinne der Frühen Hilfen zumindest in dieser Form nicht mehr gewährleistet wäre.“

Die Grünen, NRW: "Wir wissen um die hohe Bedeutung der Arbeit der Hebammen während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Mit großem persönlichen Engagement leisten sie einen nicht zu ersetzenden Beitrag für werdende ütter bzw. Eltern und junge Familien. Deshalb unterstützen wir diese Arbeit und fördern die Weiterentwicklung des Berufsfeldes. Deshalb sind wir für die Einbindung von Familienheammen in multiprofessionelle Teams im Bereich der Frühen Hifen. Bereits die bisherige Landesregierung hat dieses Vorhabenaktiv unterstützt. So fördert sie beispielsweise das Modellprojekt 'Soziale Prävention in der Kinder- und Jugendarztpraxis - Zusammenarbeit von Gesundheits- und Jugendhilfe'. Ziel ist die Entwicklung und Erprobung eines Modells für systematisches Zugangsmanagement zwischen Arztpraxis und angeboten der Frühen Hilfen sowie die Erprobung eines Unterstützungsangebotes für Familien mit umfassendem Beratungsbedarf in sozialen, psycholsozialen und erzieherischen Fragen."

Die Grünen, Krefeld, Monika Brinner: „Um Sie an dieser Stelle zu unterstützen, ist mir die Bildung von multiprofessionellen Teams ein großes Anliegen. Familienhebammen sollen im Bereich der Frühen Hilfe einbezogen werden.“

Die Linke, NRW, Gabi Lenkenhoff: „Wir teilen die Ansicht, dass eine Verortung von Hebammenleistungen im SGB V praktikabler ist als eine Aufgliederung über verschiedene Sozialgesetzbücher. Eine angemessene Vergütung spiegelt selbstverständlich den aus dem Bedarf resultierenden Aufwand wider.“


SPD NRW, Düsseldorf, André Stinka, Generalsekretär: „Familienhebammen in den Kinderschutz und frühe Hilfen einzubinden, ist der NRWSPD schon deshalb wichtig, weil wir wissen, dass gerade Hebammen gute Zwangsmöglichkeiten zu Risikofamilien. Bei einer guten Vernetzung der Hebammen in die kommunalen Hilfestrukturen der Kinder- und Jugend- sowie Familienhilfe können sie ein wertvoller Baustein einer Präventionskette sein.“