Nach umfangreichen Vorbereitungen und Planungen des Deutschen Hebammen Verbandes (DHV) hat der Landesverband der Hebammen NRW 2006 das Pilotprojekt Fortbildungsreihe “Von der Hebamme zur Familienhebamme“ in Nordrhein–Westfalen gestartet.
Fortbildungen zur Familienhebamme sind stark gefragt
Seit den neunziger Jahren werden nun erstmals wieder Familienhebammen in Nordrhein Westfalen ausgebildet. Im Laufe der letzten beiden Jahre wurden in bislang 4 Lehrgängen mehr als sechzig Kolleginnen fortgebildet.
Das Arbeitsfeld der Familienhebamme ist anspruchsvoll und verlangt Engagement und Kompetenzen, die weit über die herkömmliche Hebammentätigkeit hinausgehen. Dementsprechend gezielt und intensiv sind die Fortbildungsreihen konzipiert. In mehrtägigen Modulen bilden Netzwerkarbeit, Krisenmanagement und Kommunikationstraining einen Schwerpunkt der Fortbildung. Ziel ist es, die interaktiven und sozialen Kompetenzen der Hebammen so zu erweitern, dass sie den vielschichtigen Anforderungen ihrer Arbeit gerecht werden können.
Das Arbeitsfeld der Familienhebamme ist breit gefächert
Viele der so ausgebildeten Familienhebammen sind bereits fester Bestandteil diverser kommunaler und institutioneller Mutter-Kind Projekte. Die Mehrzahl arbeitet auf freiberuflicher Honorarbasis im Auftrag von städtischen Behörden und Institutionen (in der Regel das Jugendamt). Nicht wenige Kommunen und Institutionen haben sich entschieden, eine Familienhebamme dauerhaft in ihr sozialmedizinisches Angebot zu integrieren und entsprechende Planstellen eingerichtet.
Die Akzeptanz der Tätigkeit der Familienhebamme hat in den letzten Jahren auf Grund einiger Fehlentwicklungen in der kommunalen sozial-medizinischen Betreuung stark zugenommen. Kaum ein Präventionsprojekt – ob Frühe Hilfen, Frühwarnsystem oder Mutter-Kind Projekt genannt – verzichtet auf die wertvollen Dienste einer Familienhebamme. Die Familienhebamme ermöglicht bedürftigen Familien von Beginn einer Schwangerschaft an, die nötige Unterstützung zu erhalten. Sie fungiert zudem als Vermittlerin zu allen anderen sozial-medizinischen Diensten.
Der Landesverband der Hebammen fordert mehr Unterstützung
Vor diesem Hintergrund ist eine stärkere politische und damit finanzielle Unterstützung der Familienhebammen und ihrer Kooperationspartner wünschenswert, um eine flächendeckende Einrichtung von Präventionsprojekten zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdung zu ermöglichen.
Wir – der Landesverband der Hebammen NRW – werden weiterhin bestrebt sein, diese Entwicklung durch die Schaffung von angemessenen berufspolitischen Rahmenbedingungen zu forcieren. Damit Frauen, ihre Kinder und Familien auch in bedürftigen Lebenssituationen die bestmögliche Betreuung während der ganzen Schwangerschaft und bis zum Ende des 1. Lebensjahres ihrer Kinder erhalten.
Jennifer Jaque-Rodney
Familienhebammenbeauftragte
Landesverband der Hebammen NRW e.V.
Wachtelweg 25
44807 Bochum
Tel.: 0234-290610
jaque-rodney(at)hebammen-nrw.de
weitere Informationen Homepage der Familienhebammen