09.09.2021

Hebammenmangel: Kreißsaal im Paderborner Johannisstift schließt für sieben Wochen

Den Frauen, die sich nun kurz vor der Geburt umorientieren müssen, gilt unser Mitgefühl. Ebenso aber auch den Kolleginnen in den umliegenden Kliniken, die von heute auf morgen mehr Geburten begleiten müssen, ohne dass Räume und Personal diesem akuten Geburtenanstieg angepasst werden konnten. Die Schließung des Kreißsaals in Paderborn ist für alle Beteiligten eine Katastrophe, aber leider kein Einzelfall.

Bild: Oles Kanebckuu auf Pexels

Zurzeit mehren sich die Nachrichten aus Kliniken, die vorübergehend oder endgültig ihren Kreißsaal schließen. Damit wird auch die Zahl der Kliniken, in denen angehende Hebammen ihre praktischen Anteile der Ausbildung bzw. des Studiums absolvieren können, geringer. Und dann: ohne Praxisplatz kein Studienplatz, ohne Studienplatz kein Hebammennachwuchs. Damit verschärft sich der Hebammenmangel möglicherweise noch einmal mehr. Das darf nicht sein!

dringend andere Wege gehen

Wir brauchen eine Änderung des Systems: Geburtshilfe muss anders vergütet werden, damit Kliniken es attraktiv finden, in ausreichend Personal zu investieren. Fachfremde Tätigkeiten müssen aus der Arbeitsbescheibung von Hebammen im Kreißsaal gestrichen werden. Konzepte wie der Hebammenkreißsaal, Kooperationen mit Geburtshäusern und Hebammenpraxen, Teilzeitstellen für Hebammen in der Familienphase, 24-Stunden-Putzdienst für den Kreißsaal und vieles mehr müssen zeitnah umgesetzt werden, um Arbeitsplätze für Hebammen angemessen attraktiv zu machen.

Nur so kann eine Klinik als Arbeitgeberin interessant für Hebammen werden und hat dann auch ausreichend Personal zur Verfügung, um akute Engpässe wie in Paderborn auffangen zu können. Da ist noch viel Luft nach oben!

ARD-Mediathek vom 08.09.2021