Beitrag vom 11.06.2026
Gemeinsam laut für die Zukunft der Geburtshilfe
Unter dem Motto „Wer an Hebammen spart, zahlt doppelt“ haben Hebammen aus dem gesamten Bundesgebiet bei der Gesundheitsministerkonferenz in Hannover für die Zukunft der Geburtshilfe demonstriert. Auch aus Nordrhein-Westfalen waren Hebammen angereist, um ihre Anliegen direkt an die Politik zu richten.
Unter dem Motto „Wer an Hebammen spart, zahlt doppelt“ haben die Hebammenlandesverbände gemeinsam mit dem Deutschen Hebammenverband vor dem Tagungsort der Gesundheitsministerkonferenz in Hannover für die Zukunft der Geburtshilfe demonstriert.
Zahlreiche Hebammen aus allen Bundesländern waren angereist, um ihre Anliegen direkt an die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister der Länder zu richten. Im Mittelpunkt standen die aktuellen Herausforderungen für die Hebammenversorgung: die Auswirkungen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, die Folgen des aktuellen Hebammenhilfevertrags, die anstehenden Verhandlungen über einen zukünftigen Hebammenhilfevertrag, die zunehmende Zentralisierung der Geburtshilfe sowie die Sicherung einer wohnortnahen Versorgung von Frauen und Familien.
Besonders stolz sind wir auf die starke Beteiligung aus Nordrhein-Westfalen. Hebammen-Teams aus den Kreißsälen in Paderborn und Bad Oeynhausen haben die lange Anreise auf sich genommen, um gemeinsam mit Kolleginnen aus dem gesamten Bundesgebiet Präsenz zu zeigen und ihre Erfahrungen direkt in die politischen Gespräche einzubringen.
Dabei wurde deutlich: Die Herausforderungen unterscheiden sich regional, die Sorgen sind jedoch vielerorts ähnlich. Kreißsaalschließungen, wirtschaftlicher Druck auf geburtshilfliche Abteilungen, schwierige Rahmenbedingungen für freiberufliche Hebammen und die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Geburtshilfe beschäftigen Hebammen in ganz Deutschland.
Mit kreativen Plakaten und deutlichen Botschaften machten die Teilnehmerinnen auf ihre Situation aufmerksam:
- „Ohne uns läuft nichts – außer Fruchtwasser“
- „Kreißsaal ist keine Sparschweinezucht“
- „Hebammen am Limit – Politik in der Pflicht“
- „Wir geben alles – ihr nur 80 %“
- „Erst systemrelevant – jetzt sparrelevant?“
Besonders gefreut haben wir uns über die breite Unterstützung, die unsere Anliegen vor Ort erfahren haben. Zahlreiche Familien kamen mit ihren Kindern im Tragetuch oder Kinderwagen zur Kundgebung und machten deutlich, dass gute Geburtshilfe nicht nur Hebammen betrifft, sondern Familien in ganz Deutschland. Schilder wie „Inkontinenz? Rückenschmerzen? Brustentzündung? Depressionen? Nein! Dank Hebamme!“ oder „GEBÜHRender Respekt“ zeigten eindrucksvoll, wie sehr Hebammenarbeit geschätzt wird und wie groß die Unterstützung für unsere Forderungen ist.
Unterstützt wurden wir außerdem von Vertreterinnen des Frauenrats NRW, von Mother Hood e. V. sowie des Bündnisses „Rettet die Geburtshilfe im Rhein-Sieg-Kreis“. Gemeinsam mit zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützern vor Ort machten sie deutlich: Die Zukunft der Geburtshilfe ist längst kein Thema, das nur Hebammen bewegt. Sie betrifft Frauen, Familien und die Frage, wie wir die gesundheitliche Versorgung am Beginn eines jeden Lebens gestalten wollen.
Ein wichtiges Signal kam auch von politischer Seite. Mehrere Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister nahmen an der Kundgebung teil und machten in ihren Redebeiträgen deutlich, dass die Zukunft der Hebammenversorgung für sie kein Randthema ist. Unter anderem sprachen Dr. Andreas Philippi (Niedersachsen), Karl-Josef Laumann (Nordrhein-Westfalen), Katharina Schenk (Thüringen) sowie Oliver Hildenbrand (Baden-Württemberg) und Claudia Bernhard (Bremen).
Die Kundgebung hat gezeigt, wie groß der Zusammenhalt innerhalb unseres Berufsstandes ist. Sie hat aber auch gezeigt, dass unsere Anliegen von Familien, Bündnispartnerinnen und Bündnispartnern sowie politischen Entscheidungsträgern wahrgenommen werden.
Für uns ist klar: Hebammenarbeit ist gelebte Prävention. Sie stärkt Frauen, Kinder und Familien. Sie ist ein unverzichtbarer Teil der Gesundheitsversorgung. Deshalb werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine starke, wohnortnahe und zukunftsfähige Geburtshilfe ermöglichen.
Vielen Dank an alle Kolleginnen, Familien, Unterstützerinnen und Unterstützer, die diesen Tag möglich gemacht haben.

